Ein Jahr nach dem Brand von Moria gibt es kaum noch Aufmerksamkeit für die Menschen dort. Die Asylverfahren wurden beschleunigt – viele Geflüchtete hatten einen negativen Asylbescheid erhalten, sind nun auf griechischem Festland oder untergetaucht. Aufgrund der strikten Grenzkontrollen der Küstenwachen und “illegaler Pushbacks” kommen kaum noch Menschen auf Lesbos an.
Circa 4.000 Menschen leben aber nach wie vor im neuen Camp “Kara Tepe”, die von Medical Volunteers International allgemeinmedizinisch versorgt werden. Amar Mardini ist 31 Jahre alt, Arzt und seit Anfang Mai mit MVI auf Lesbos. Hier berichtet er über die aktuelle Situation. 


Stell dich doch bitte mal kurz vor. 

Mein Name ist Amar Mardini, ich bin 31 Jahre alt und von Beruf Arzt. Ich habe mein Medizinstudium in Marburg absolviert und habe seither an der dortigen Universitätsklinik in der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin gearbeitet.

Wie lange bist du bereits auf Lesbos?

Ich bin seit Mai diesen Jahres hier.

Was ist deine Aufgabe vor Ort?

Ich bin als Arzt für die hausärztliche Versorgung der Geflüchteten im Camp Kara Tepe zuständig und seit kurzem zudem der zweite medizinische Koordinator der Medical Volunteers international vor Ort.

Du hast dich vermutlich auf deinen Einsatz vorbereitet und auch eingelesen.
Was hat dich bei deiner Ankunft dennoch überrascht?

Da es sich um meinen ersten Einsatz als ärztlicher Volunteer handelt, habe ich bewusst für einen Ort in Europa entschieden. Während meiner Ausbildung wurde ich vornehmlich in der Notfall- und Intensivmedizin an einer deutschen Universitätsklinik ausgebildet. Mir war bewusst, dass sich diese „High-End-Medizin“ vermutlich deutlich von den vor Ort verfügbaren Möglichkeiten unterscheidet. MVI schickt jedem neuen Volunteer vor der Ankunft einen Leitfaden zu, durch welchen man einen groben Überblick über das bekommt, was einen auf dieser Insel erwartet. Vor Ort stellt man jedoch rasch fest, dass die Herausforderungen einen sehr beanspruchen können. Einfachste diagnostische Untersuchungen und Therapien gestalten sich hier schwierig. So musste ich anfangs zu meinem Erstaunen feststellen, dass die Leitlinien der „Ärzte ohne Grenzen“, welche u.a. für Krisengebiete in Entwicklungsländern konzipiert wurden, auf europäischem Boden zum Einsatz kommen. 

Was war deine Motivation einen derartigen Einsatz zu planen?

Das Thema Flüchtende, Fluchtursachen und Migration hat mich seit einigen Jahren beschäftigt. Letztes Jahr habe ich dann das Buch „Die Schande Europas: Von Flüchtlingen und Menschenrechten“ von Jean Ziegler, Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats, gelesen.
Ich war entsetzt über die dort beschriebenen Umstände auf der ägäischen Insel. Menschen, die vor Not und Elend flohen und während der Flucht große Strapazen auf sich nahmen, fanden sich bereits lange vor dem Brand in Moria, in einer menschenunwürdigen Lage auf europäischem Boden wieder. 

Die zunehmende Akzeptanz dieser Situation auf europäischem Boden machte mich fassungslos. Es widersprach meinem Bild der Europäischen Union als eine humanitäre Gemeinschaft, welche sich den universellen und unveräußerlichen Menschenrechten verpflichtet und von so vielen Menschen auf der Welt bewundert wird. Ich wollte helfen etwas zu verändern, damit sich diese Erzählung von Europa in den späteren Geschichtsbüchern nicht nur als scheinheiliges Narrativ wiederfindet. Es waren aber auch persönliche Gründe. Mein Vater stammt ursprünglich aus Syrien. Er ist bereits Jahrzehnte vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges nach Deutschland ausgewandert. Wenngleich mich selbst, da in Deutschland geboren und aufgewachsen, bis auf einige wundervolle Kindheits- und Jugenderinnerung während der Schulferien mit dem Herkunftsland meines Vaters wenig verbindet, so habe ich doch durch meinen Vater vermutlich einen tieferen und persönlicheren Einblick in das Leid erfahren, dass dieser verächtliche Bürgerkrieg Verwandten und Bekannten meines Vaters und den Menschen vor Ort und auf der Flucht seit nun mittlerweile einem Jahrzehnt zufügt.

Wie sieht dein „Alltag“ hier aus und wie unterscheidet sich das denn im Wesentlichen von deiner Arbeit in Deutschland?

Während mir in meiner Ausbildung an einer Universitätsklinik sämtliche diagnostische und auch therapeutische Optionen sowie eine interdisziplinäre Expertise zu jeder Zeit offen stand, muss man sich hier auf die Grundlagen einer medizinischen Untersuchung und Behandlung zurückbesinnen. Anamnese, körperliche Untersuchung und einfachste diagnostische Mittel sind alles was einem hier zur Verfügung steht.  Es stellt anfangs eine ziemliche Herausforderung dar, sich wieder auf diese grundlegenden Untersuchungs- und Behandlungsmethoden einzustellen. Trotz der im Vergleich zu Deutschland jüngeren Patientenpopulation, sehen wir aufgrund der widrigen Umstände, in denen die Menschen hier leben, jeden Tag viele PatientInnen. Bauch-, Rücken und Kopfschmerzen sowie übertragbare Krankheiten wie die Krätze sind häufig. Das Lager macht krank, nicht nur körperlich. Viele der Geflüchteten benötigen aufgrund der Erfahrungen in den Heimatländern, der Flucht oder im Lager psychologische Unterstützung. Geschichten über Folter, Gewalt oder sexuelle Misshandlungen sind keine Seltenheit. Symptome einer posttraumatische Belastungsstörungen, Panikattacken bis hin zu psychogenen Krampfanfällen sind alltäglich.

Es gibt jedoch auch erfreuliche Umstände hinsichtlich der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit. Der stressvolle Alltag in einer deutschen Notaufnahme ist zum Teil von einem Streit zwischen den unterschiedlichen Fachabteilungen geprägt. Der Ton zwischen ChirurgInnen und InternistInnen kann an manchen Tagen sehr rau werden. Als MVI sind wir hier vor Ort für die hausärztliche und teilweise psychologische Versorgung der PatientInnen im Camp zuständig. Wir müssen daher mit allen medizinisch tätigen Akteuren eng zusammenarbeiten. ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen aus den verschiedensten Winkeln Europas, wie dem United Kingdom, den Niederlanden, der Schweiz, aus Portugal oder Griechenland bringen ihre unterschiedlichste Expertise in das internationale Team ein. Es wird Hand in Hand und mit einem stets offenen Ohr für Rat zusammengearbeitet. Es ist eine Bereicherung, die teils unterschiedliche Behandlungsansätze zu sehen und zu diskutieren. Für mich ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass die europäische Gemeinschaft funktioniert und wir eine Lösung gemeinsam finden werden.   

Gibt es Situationen im Umgang mit PatientInnen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ja, und zwar ziemlich am Anfang des Einsatzes. Ein junger Mann aus Sierra Leone stellte sich mit Kopfschmerzen vor. Ein typischer Fall im Camp, es ist heiß, das Wasser ist rationiert und die Menschen stehen unter permanentem Stress. Medizinisch kein anspruchsvoller Fall und daher eigentlich schnell zu behandeln. Da wir zu dieser Zeit gut besetzt waren, konnte ich mir jedoch Zeit für den Patienten nehmen. Ich fragte Ihn, wie alt er denn sei und wann er auf Lesbos angekommen ist. Er war 19 Jahre, allein und erst seit einigen Tagen auf der Insel. Es waren nur sehr wenige Menschen aus Sierra Leone im Camp. Er sprach Englisch, was mich freute, da wir daher keinen Übersetzer benötigten. Im Camp fand er jedoch aufgrund der nur schlechten oder mangelnden Englischkenntnisse der Geflüchteten aus anderen Herkunftsländern zum Teil schwer Anschluss. Mir ging in dem Moment durch den Kopf, wie es wohl sein muss als gerade erst erwachsen gewordener Mann nun in einem Camp mit knapp 8.000 unbekannten Menschen leben zu müssen. Ich begann mit 19 Jahren mein Medizinstudium in Marburg und um die Uhrzeit saß ich vermutlich verkatert in einer Vorlesung oder lag, nach einer langen Nacht mit Kommilitonen und neu gewonnen Freunden, noch im Bett. Auf die Frage ob er schon in Kontakt mit einer NGO für Rechtshilfe stehe, antwortete er mit „nein“. Ich zeigte Ihm daraufhin ein Papier mit Kontaktdaten der verschiedenen Rechtshilfe- Organisationen und riet Ihm möglichst umgehend rechtliche Hilfe zu suchen, am besten noch am selben Tag. Der junge Mann, der anfangs noch sehr still und skeptisch meinen Fragen zuhörte, begann nach und nach mehr zu erzählen. Die Kopfschmerzen schienen am Ende unseres Gespräches schon fast ohne Tablette verschwunden gewesen zu sein. Er bedankte sich am Ende unseres Gespräches. Seit Beginn seiner Flucht habe er wenig Hilfe von fremden Menschen bekommen, erzählte er beim Verlassen des Raumes. Er folgte meinen Rat und fand noch vor seinem ersten Interview mit den Behörden eine Organisation, welche Ihn in der Rechtshilfe berät. Er schaut weiterhin ab und an in der Klinik vorbei und erzählt mir das Neuste aus seinem Fall. Die Chancen für eine positive Entscheidung stehen nicht schlecht. Schmerztabletten wegen Kopfschmerzen hat er nur noch einmal benötigt.

Wie würdest du die aktuelle Lage der Geflüchteten auf der Insel beschreiben? 

Als Arzt vermag ich keinen gesamten Überblick über die aktuelle Lage der Geflüchteten abgeben zu können.  Aus medizinischer Sicht handelt es sich nach wie vor um eine sehr prekäre Lage. Obwohl auf europäischen Boden angekommen, ist es nicht möglich, die PatientInnen gemäß medizinischer Leitlinien zu behandeln. Es sind PatientInnen zweiter Klasse. Insbesondere durch die Covid-19-Pandemie stehen uns nur wenig diagnostische Mittel zur Verfügung. Das örtliche Krankenhaus erlaubt nur noch Notfälle, für Termine bei SpezialistInnen warten PatientInnen mehrere Monate. In manchen Fällen sogar, obwohl man als behandelnder Arzt eine abwendbare Ursache der Krankheit vermutet und fürchtet, dass bis zur Abklärung durch die SpezialistInnen die Situation weiter verschlechtern wird oder gar irreversibel geworden ist. Die Schuld allein bei den griechischen Behörden zu suchen ist jedoch falsch. Das Gesundheitssystem in Griechenland war bereits vor 2015 im Zuge der Finanzkrise deutlich strapaziert. Die Versorgung der Tausenden an Geflüchteten ist für ein Gesundheitssystem wie dieses nicht möglich. Es bedarf rasch vor Ort an internationaler Hilfe mit ExpertInnen und SpezialistInnen aus der europäischen Gemeinschaft, um die Lage der Geflüchteten zu ändern. 

Wie hat sich das seit deiner Ankunft verändert?

Als ich den Einsatz auf Lesbos begonnen habe, waren noch knapp 8.000 Menschen im Camp. Mittler- weile sind es deutlich weniger geworden. Für die noch verbliebenen Geflüchteten ist die Situation aussichtsloser geworden. Die meisten haben bereits eine oder zwei Ablehnung ihres Asylverfahrens erhalten, manche sogar schon vier. Die Verzweiflung der Menschen hat zugenommen. Nach einer großen Welle an Ablehnungen und der Androhung auf Abschiebung von der offiziellen Regierungs- behörde sahen wir einen deutlichen Anstieg an Suizidversuchen, teilweise Fälle von erweitertem Suizid von verzweifelten Elternteilen mit Kindern. Es schaffen nur noch wenige Geflüchtete den gefährlichen Wasserweg aus der Türkei nach Griechenland zu überwinden. Durch die illegalen und unmenschlichen Push-back-Methoden, welche sich dank Organisationen wie „Aegean Boat Report“ auf den sozialen Medien wie Facebook gut verfolgen lassen, ist selbst die Ankunft auf der Insel keine Garantie mehr für ein faires Asylverfahren. Männer, Frauen und Kinder werden, obwohl auf europäischen Boden angekommen, wieder auf Schlauchboote vor die türkische Küste gesetzt.

Was können Menschen in Deutschland machen, um zu unterstützen?

Nach dem Feuer in dem alten Camp „Moria“ auf Lesbos kam es zu einer größeren Spendenbereitschaft. Die Lage auf der ägäischen Insel mag sich seit dem Brand etwas geändert haben, jedoch sind die Menschen nicht einfach verschwunden. Zehntausende Menschen sitzen nach wie vor, ohne legale Möglichkeit für Nahrung oder medizinischen Versorgung, in Griechenland fest. Für viele sind die in Griechenland tätigen NGOs die einzige Möglichkeit, um die notwendigsten Dinge des Lebens zu erhalten. Es sollte nicht erst wieder eine große Tragödie passieren müssen, um den Leuten in der Heimat die dramatische Lage vor Ort in das Gedächtnis zu rufen.

Was würdest du dir wünschen? Was sollte sich hier in Griechenland bzw. in Europa verändern?

Zunächst müssen die illegalen und menschenrechtsverletzenden Push-back-Methoden umgehend ein Ende finden. Die Problematik von Geflüchteten und Migration wird national nicht bewältigbar sein. Die Europäischen Union muss sich endlich der Verantwortung stellen. Menschenrechte, im wahrsten Sinne des Wortes über Bord zu werfen, darf nicht die Antwort sein. Die Notwendigkeit von so zahlreichen Nichtregierungsorganisationen auf europäischen Boden, um ein Minimum an Menschenwürde aufrecht zu erhalten ist eine Schande für eine internationale Gemeinschaft wie die Europäische Union. Aufgrund politischen Druckes war es möglich in kürzester Zeit eine neue Grenzkontroll-Organisation zu gründen. Es muss daher ebenfalls möglich sein eine europäische Organisation zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung an den Grenzen der Union zu gründen. Finanzielle Unterstützung allein wird Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland nicht helfen um mit den zunehmenden menschlichen Dramen, die sich an unseren Grenzen abspielen, fertig zu werden. Es benötigt Menschen mit Expertise vor Ort. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche KrankenpflegerInnen und ÄrztInnen bereit dazu bereit wären. Sie machen es bereits freiwillig in Ihren wohlverdienten Urlauben und mit Ihrem angesparten Geld.

Worüber wird deiner Ansicht nach zu wenig berichtet?

Von den einzelnen Menschen, die sich auf die Flucht begeben mussten. Durch Framing-Wörter wie Flüchtlingswelle verschwindet das Schicksal des Einzelnen häufig in einer bedrohlich wirkenden Naturgewalt. Durch die Arbeit in der Klinik im Camp, insbesondere durch die zahlreichen Gespräche mit den ÜbersetzerInnen mit denen wir tagtäglich mehrere Stunden in einem Raum verbringen, verschwinden die Unterschiede des vermeintlich Fremden rasch und es zeigen sich die vielen Gemeinsamkeiten. Junge Männer und Frauen, die vor der Flucht studiert haben oder als KrankenpflegerIn oder Handwerker ihren Lebensunterhalt verdient haben und dabei waren sich ein Leben aufzubauen sind nun nicht nur Ihrer Heimat beraubt worden. Sie sind mittlerweile zu Gefangenen auf europäischem Boden geworden, oft ohne Aussicht auf Hoffnung. Vor den Augen dem sehnsüchtig herbeigewünschten Europa so nah, bleibt es unerreichbar für die meisten der Geflüchteten. Und beim Blick zurück, entfaltet sich das Bild des brennenden Heimatlandes, was aus aktuellem Anlass selbst der internationalen Presse nicht entgeht. 

Vielen Dank für das Gespräch.

quaranteam

Corona hat viele Dinge auf den Kopf gestellt, auch den Start unserer Freiwilligen vor Ort. Sie mussten bis vor Kurzem noch in einer unserer Unterkünfte in Quarantäne gehen, bevor es richtig losgehen konnte. In unserer MVI QUARANTEAM Ausgabe stellen wir Neuankömmlinge vor, die aufgrund der Corona-Maßnahmen in Quarantäne sind oder waren und wollen wissen, was und wie sie sich beschäftigen. So bekommen Sie einen persönlichen Eindruck von den tollen Menschen, die wir zu unserem Team zählen dürfen.

In diesem Interview erfahren Sie mehr über die Fabienne, die unser Team als medizinische Koordinatorin in Athen unterstützt.

Was gibt dir im Moment Hoffnung?  

Da ich bereits vor kurzer Zeit als Freiwillige vor Ort war, freue ich mich schon sehr darauf das Team wieder zu sehen.

Während meiner Zeit als Freiwillige hatte ich einen guten Einblick in die Arbeit von MVI. Auch wenn mir bewusst ist, dass sich die allgemeine Situation für Menschen auf der Flucht in Europa in nächster Zeit nicht verbessern wird, habe ich gesehen, wie wir als einzelne Individuen helfen. Selbst wenn wir nur einen kleinen Dienst leisten, ist es doch wichtig, dass jemand für diese Menschen da ist und dass sie eine Anlaufstelle haben.

Ich bin nun sehr gespannt was ich alles als Koordinatorin sehen und lernen werde.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis mit dem MVI-Team? 

Ich hatte gefühlt jeden Tag mindestens ein schönes Erlebnis mit dem MVI-Team. Wie soll ich da ein Erlebnis herauspicken? 😉

Wer sind deine wichtigsten Bezugspersonen vor Ort?

Eindeutig Paula, die Projektkoordinatorin in Athen. Sie hat immer ein offenes Ohr wenn man es braucht. Aber genauso unsere ÜbersetzerInnen Saeed, Fereshteh und Abdulkader sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Wie hat COVID-19 deinen Blick auf unsere Arbeit verändert?

Durch COVID-19 hat sich die Situation für Menschen auf der Flucht deutlich erschwert. Umso wichtiger ist nun unsere Arbeit. Es ist schön zu sehen, dass es trotz der Reiseschwierigkeiten immer noch so viele motivierte Personen gibt, die willig sind dieses Projekt zu unterstützen.

Mit welcher überraschendem Sache hast du dich/habt ihr euch in der Quarantäne eingedeckt (kein Toilettenpapier)?

Meine Yogamatte. Da ich nicht aus der Wohnung darf, ist es für mich wichtig wenigstens ein paar Kraftübungen oder Yoga machen zu können.

Welchen Hobbys oder welcher Leidenschaft kannst du/könnt ihr gerade nachgehen?

Mit der Triage bin ich doch sehr gut beschäftigt aber es ist auch schön wenn ich mir wieder richtig viel Zeit zum Lesen nehmen kann.

Welcher Gegenstand begleitet dich durch die Quarantäne?
Mein Laptop

Welchen Song hörst du oder ihr aktuell rauf und runter?
Behet Ghol Midam from Mohsen Yeganeh

Worauf freust du dich nach dieser Zeit am meisten?

Das Team kennen zu lernen und Paula wieder zu sehen.

Corona hat Vieles auf den Kopf gestellt, auch den Start unserer Freiwilligen vor Ort. Aktuell müssen sie sich (noch) in einer unserer Unterkünfte in Quarantäne begeben, bevor es richtig losgehen kann. In unserer MVI – QUARANTEAM Edition stellen wir euch Neuankömmlinge vor, die aufgrund von Coronamaßnahmen in Quarantäne sind oder waren und möchten wissen, was und wie sie sich beschäftigen. So bekommt ihr einen persönlichen Eindruck über die großartigen Menschen, die wir zu unserem Team zählen dürfen.

In diesem Interview erfahrt ihr mehr über die Psychologin Brigitte, die unser Children Support Projekt auf Lesbos unterstützen wird – bzw. das auch während der Quarantäne-Zeit bereits vom “home office” macht. 

Was gibt dir im Moment Hoffnung?

Die Erfahrung, dass es hier so viele Menschen gibt, die so engagiert und mit Freude hier hilfreich tätig sind, um den Menschen, die hier unter so schrecklichen Bedingungen leben müssen, wieder ihre Zuversicht und Würde zurückzugeben. Und dass ich von vielen lieben Menschen, innerlich so liebevoll begleitet und ermutigt werde. In einem Wort: to encourage.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis mit dem MVI-Team?  

Ich bin noch nicht lange in dem Team, trotzdem habe ich schon erstaunlich viele schöne Erlebnisse. Unter anderem die sympathische Hilfe von Verena in Hamburg und von Carlotta, meine Psychologin-Kollegin, die mich schon seit 3 Wochen per Zoom, Whats-App und nun in Person so herzlich begleitet und einweist. Die hilfreichen Vorabsprachen mit Carlotta und einem weiteren Kollegen per Zoom sowie die Unterstützung von KollegInnen, die auch in Quarantäne sind.

Wie hat COVID-19 deinen Blick auf unsere Arbeit verändert?  

Die Arbeit hier vor Ort wurde vermutlich schon durch die Pandemie deutlich erschwert. Vor allem für die Menschen im Camp hat sich die Lage ganz bestimmt durch die Ausgangsbeschränkungen und die erschwerten Bedingungen schon noch deutlich verschlechtert. Ich finde es umso erfreulicher und hoffnungsfroh, dass MVI und andere NGOs sich trotz COVID-19 nicht unterkriegen lassen und trotzdem mit aller Kraft hier vor Ort versuchen zu helfen; bei gleichzeitiger Vorsicht und Achtsamkeit.

Und ganz persönlich, merke ich, dass diese Zeit des „Oster-Retreats, wie ich sie nenne (statt Quarantäne oder Zwangspause ?), mir auch behilflich ist, hier gut anzukommen und gut mit mir verbunden mich auf die neuen Herausforderungen in Ruhe vorbereiten zu können.

In Bezug auf unsere Arbeit hier vor Ort, können wir den Quarantänebestimmungen sogar  „dankbar sein“: Wenn es uns gelingt, während der Quarantäne „unsere Geschwindigkeit“ etwas „herunterzufahren“ und wir zur Ruhe kommen, in dieser Zeit neue Energie tanken, dann kann es für unsere nachfolgende Arbeit hier nur hilfreich sein: HelferInnen mit beruhigtem Nervensystem können vermutlich in bedächtigem Tempo und heilsamer oder einfühlsamer auf Menschen zugehen, die unter hohem Stress und hoher Anspannung stehen. Und wir selbst haben mehr Spielraum, das Schwere, das uns hier begegnen wird, zu verarbeiten.

Macht gemeinsam jeweils drei wahre „Wir“-Aussagen. Zum Beispiel: „Wir sind beide in diesem Raum und fühlen…“ oder “Wir sind beider der Meinung dass…”: 

Also WIR, mein Zitronenbaum und ich  sprechen viel miteinander; (deutsch, oberösterreichisch,englisch,griechisch lern ich von ihm/ihr).“ „Wir machen die Erfahrung, dass er/sie mich Vieles lehrt: Er/sie „stupst“ mich an, wenn ich zu wenig achtsam bin und er/sie lehrt mich tiefe Dankbarkeit.“ „Wir sind beide der Meinung, dass die griechische Sonne uns gut tut“. „Und ganz im Geheimen glaube ich, dass Zitronenbaum eine SIE ist ?.

Mit welcher überraschenden Sache hast du dich/habt ihr euch in der Quarantäne eingedeckt (kein Toilettenpapier)?  

Mit Zitronen. Und dass mir österreichische gute Feen was Stärkendes dazu vor den Gartenzaun gestellt haben, war eine besondere Überraschung. Und dass der Osterhase auch hier vorbeigekommen ist und mir ein Osternesterl versteckt hat – gefüllt mit Schokolade und Osterkeksen aus Österreich und vielen kleinen Überraschungen. Der österreichische Osterhase scheint ein Abkommen mit dem griechischen Osterhasen zu haben. ?

Welchen Hobbys oder welcher Leidenschaft kannst du/könnt ihr gerade nachgehen?

Tanzen, singen, lesen, meditieren, stricken, schlafen, Yoga, schreiben, Englisch lernen, im Kontakt meiner Family und FreundInnen sein, Musik hören. Und mich zur Vorbereitung mit psychologischen Themen (traumatisierte Menschen, Kinder, Resilienz,) intensiv auseinanderzusetzen.

Welche Gemeinsamkeiten habt ihr in Quarantäne entdeckt?  

Mein Zitronenbaum und ich sind sehr gerne in der Sonne. 

Welches Problem würdest du gerne als nächstes lösen?

Meine vorbereiteten Powerpoints (für Elterngruppen) in hilfreiche englische Arbeitsmaterialien zu verwandeln; 

Welcher Gegenstand begleitet dich durch die Quarantäne?

Mein Schreibheft und eine kleine Trommel, ein Schlüsselanhänger-Glücksbringer.

Welchen Song hörst du oder ihr aktuell rauf und runter?  

„Absolute beginners“ von David Bowie; wir dürfen jederzeit und überall neu anfangen. „Gabrielas Song“, der davon handelt, dass jeder Mensch stark und frei ist. Ich möchte, dass alle Menschen, die hier festgehalten werden, ihre Würde und Ihre Freiheit zurückbekommen und es eine hoffnungsvolle Zukunft gibt, in Freiheit. Oder „Morning has broken“ von good old Cat Stevens

Worauf freust du dich nach dieser Zeit am meisten?

Alle KollegInnen persönlich kennenzulernen und gemeinsam zu arbeiten.

Quaranteam Medical Volunteers

Corona hat vieles auf den Kopf gestellt, auch den Start unserer Freiwilligen vor Ort. Aktuell müssen sie sich (noch) in einer unserer Unterkünfte in Quarantäne begeben, bevor es richtig loslegen kann. In unserer MVI – QUARANTEAM Edition stellen wir euch Neuankömmlinge vor, die aufgrund von Coronamaßnahmen in Quarantäne sind oder waren und möchten wissen, was und wie sie sich beschäftigen. So bekommt ihr einen persönlichen Eindruck über die großartigen Menschen, die wir zu unserem Team zählen dürfen.

In diesem Interview erfahrt ihr mehr über Carl, Paul und Thomas, die unser Team in Athen unterstützen werden. Carl ist dabei als Kameramann im Sondereinsatz und wird die Arbeit unseres Teams begleiten. Paul verstärkt als Arzt und Thomas als Krankenpfleger die medizinische Betreuung.

Was gibt dir im Moment Hoffnung?

Carl Der Balkon im Apartment ist mein Fenster zur Welt. Ich weiß, in vier Tagen darf ich raus und endlich den Orangensaft im Kiosk gegenüber trinken, da schaue ich jetzt schon drei Tagen drauf.

Paul Das heutige Gerichtsurteil in Münster. Das gab zwei Asylsuchenden Recht erneut in Deutschland Asylstatus zu beantragen, obwohl diese bereits in Griechenland genehmigt wurde. Das Gericht hat die Situation der Geflüchteten in Griechenland, so wie wir auch, als menschenunwürdig empfunden. 

Thomas Zu wissen, dass Menschen aus verschiedenen Ländern immer noch herkommen, um anderen Menschen unentgeltlich zu helfen, weil sie glauben, dass es wichtig ist.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis mit dem MVI Team? 

Carl Es ist mein erstes Mal mit MVI, aber allein die Tatsache, dass sie mir als Filmemacher erlaubt haben mit zu kommen, zeigt ihr großes Herz. 

Paul Miterleben, dass MVI trotz aller Limitierungen und erschwerten Verhältnissen viele Anliegen verschiedenen Patienten lösen kann. 

Thomas: Patienten in die Krankenhäuser zu begleiten und ihnen zu helfen. Ich habe mich zu etwas gezwungen, von dem ich nie dachte, dass ich dazu fähig wäre. Ich verlasse meine Komfortzone.

Wer ist deine wichtigste Bezugsperson vor Ort?

Carl Paula via WhatsApp. Aber nicht-virtuell, Paul und Thomas. Sonst würde ich durchdrehen, glaube ich. 

Paul Gleiche Antwort wie Carl.

Thomas Gleiche Antwort wie Paul und Carl.

Wie hat COVID-19 deine Bereitschaft zu helfen verändert?

Carl Verändert nicht, vergrößert wahrscheinlich. Jetzt mehr denn je, muss die Geschichte erzählt werden.  

Paul Mein Wunsch medizinische Hilfe zu leisten, war vor der Pandemie auch schon groß, aber mir fehlte noch das Fachwissen.

Thomas Hat es aber nicht. Und vermutlich ist es jetzt wichtiger denn je.

Welches Hobby oder welche Leidenschaft teilt ihr?

Carl Ein Bierchen trinken und über Gott und die Welt quatschen.

Paul Workout in dem kleinen Raum zwischen Bett und Wand. 

Thomas Kochen.

Macht gemeinsam jeweils drei wahre „Wir“-Aussagen. Zum Beispiel: „Wir sind beide in diesem Raum und fühlen…“ oder “Wir sind beide der Meinung, dass…”

Carl Wir wollen allen, die es benötigen, helfen. Egal auf welcher Art. 

Paul Wir arbeiten lieber mit dem Menschen als mit Computern.

Thomas Wir alle genießen gerne ein schönes Glas Wein auf dem Balkon.

Mit welcher überraschenden Sache hast du dich/habt ihr euch in der Quarantäne eingedeckt (kein Toilettenpapier!)?

Carl Griechische Oliven.

Paul Haribo.

Thomas Griechischer Joghurt.

Welche Gemeinsamkeiten oder Hobbys habt ihr entdeckt?

Carl Alle lieben meine Kamera.

Paul Kochen.

Thomas Die Liebe zur Teletriage.

Welches Problem – entweder Ihres oder ein globales – würden Sie gerne lösen?

Carl Der nervige Hund im Flur, der die ganze Nacht bellt.

Paul Warte… gibt es ein Problem?

Thomas Das Heizungsproblem in unserer Wohnung.
Welcher Gegenstand begleitet dich durch die Quarantäne?

Carl Meine Kamera.

Paul Meine Musikbox.

Thomas Mein Handy.

Welchen Song hörst du oder ihr aktuell rauf und runter?

Carl Sirtaki / Zorba’s dance (Official Video) – Ansamblul Dionisos

Paul Udo Juergens – Griechischer Wein

Thomas 1,2, Polizei
Worauf freust du dich nach dieser Zeit am meisten?
Carl Endlich mal was anderes filmen als die vier Wände des Apartments.

Paul In den Aryos Park gehen

Thomas Durch die Stadt spazieren

Nasir

Stellen Sie sich bitte einmal vor… 

Ich bin Nasir Mahmoodzada, 26 Jahre alt und arbeite als Dolmetscher für MVI in der Klinik für psychische Gesundheit. 

Woher kommen Sie?

Ich komme aus Afghanistan. 

Wann sind Sie nach Lesbos gekommen?

Am 18. August 2016 bin ich hier angekommen. 

Sind Sie alleine hier?

Ja, ich bin alleine hier.

Wie haben Sie Ihre Anreise erlebt?

Es war eine schreckliche Tour. Ein langer Weg mit vielen Schwierigkeiten und Unfällen. Ich habe unterwegs Leichen gesehen und ich habe miterlebt, wie die türkische Polizei jemanden vor meinen Augen getötet hat.

Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie die Situation hier gesehen haben?

Als ich im Boot saß und wir die Grenze überquerten, stellte ich mir vor, dass das Leben von nun an anders sein würde und dass die Situation endlich besser werden würde. Dann kam ich in das Camp hier und war völlig überrascht.  Die erste Woche verbrachte ich mit der Suche nach einem Schlafplatz, da nichts für uns Neuankommende vorbereitet oder verfügbar war. Nachts musste ich mir einen Platz auf der Straße suchen und meine Tasche unter den Kopf klemmen, um zu schlafen. Damals, 2016, bekam man ein offizielles Papier von der Polizei und dann war man im Lager auf sich allein gestellt – auch um zum Beispiel einen Schlafplatz zu finden. Eurorelief war damals vor Ort und ihre Mitarbeiter verteilten Schlafsäcke und Zelte. Da aber die Nachfrage sehr hoch war (jeden Tag kamen unzählige Menschen an), gab es nicht genug Platz oder Ausrüstung für alle. Nachdem ich eine Woche lang auf der Straße geschlafen hatte, ging ich zu Eurorelief, um mich zu beschweren und brüllte sie an, mir eine Schlafmöglichkeit zu geben. Schließlich bekam ich ein Zelt. Als es im Winter zu schneien begann, wurde es so eisig kalt, dass wir uns nachts mit Wodka warm hielten. Nach sechs Monaten bekam ich endlich meine offiziellen Papiere und konnte nach Mytilini fahren. 

Was haben Sie auf Lesbos als erstes gemacht?

Als ich das Moria-Lager nach 6 Monaten verließ, begann ich für „No Border Kitchen“ zu arbeiten.  Ich unterstütze als Übersetzer für Afghanen und Pakistaner. 

Wie hat sich die Situation hier verändert, seit Sie hier sind?

Als ich 2016 ankam, war die Situation eine vollkommen andere.

Die lokale Bevölkerung und die Menschen, die in den Flüchtlingslagern arbeiteten, waren freundlich zu den Flüchtlingen – nicht übermäßig freundlich, aber doch nett. Verglichen mit der aktuellen Situation im Jahr 2020 hat sich das komplett geändert. Ich kann das gut einschätzen, weil ich mich mit Einheimischen darüber unterhalten habe: Sie sind erschöpft von der Situation und es entwickelt sich ein gewisser Hass gegen die Geflüchteten. Es ist also jetzt eine völlig andere Situation. 

Auch die Situation im Lager selbst hat sich stark verändert. Im Jahr 2016, als ich dort lebte, waren es maximal 2.500 Menschen in Camp Moria. Im Jahr 2020 war es kein Camp mehr, sondern erreichte die Größe einer Stadt, mit etwa 20.000 Menschen. Eine grauenhafte Stadt. Es gab viel Gewalt, Schlägereien und Raubüberfälle. Und so ist es auch in dem neuen Lager. Ich kenne Leute, die wegen der nächtlichen Raubüberfälle mit ihren Handys und Geldbörsen in ihrer Unterwäsche schlafen müssen. Auch wenn es jetzt mehr Polizei gibt, ist das neue Lager nicht sicher genug.

Und seit dem großen Feuer am 9. September?

Das erste, das mir auffiel, als ich mit den Griechen sprach, war, dass die Einheimischen nach dem Brand das Gefühl hatten, dass die Geflüchteten Krieg in ihr Land gebracht haben. Die Einheimischen hier haben noch nie diese Art von Gewalt in ihrem Land gesehen, und das Feuer war ein Schock für sie. Außerdem haben sich die Lebensbedingungen für Geflüchtete völlig verändert. Wir dachten vorher, dass Moria ein schlechter Ort war, aber das neue Camp ist in einem noch schlechteren Zustand.  Es liegt direkt am Meer, wenn es regnet, ist es dort komplett überflutet. Ich hatte mich nach den Regenfällen mit einer Familie im Camp unterhalten. Der Vater erzählte mir, dass er während des Regens aufstehen und seine beiden Kinder in den Armen halten musste, bis der Regen aufhörte. Er hatte Angst vor Überschwemmungen und dass seine Kinder ertrinken würden, wenn sie auf dem Boden säßen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Einige Menschen beschweren sich auch über die Kälte, da es weder Heizung noch Elektrizität gibt.

Was sollte sich hier ändern?

Die Verbesserung der Lebensbedingungen im Camp ist im Moment das Wichtigste. 

Wenn die griechische Regierung uns nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt, helfen uns NGOs. Die Lebensbedingungen sind immer noch sehr schwierig: Es ist kalt, es gibt keinen Strom oder sonstige Einrichtungen. Das muss sich unbedingt ändern.

Bekommen Sie mit, wie Menschen außerhalb von Lesbos über diese Situation denken?

Alle Menschen, die ich kenne, wie z.B. Freiwillige oder Menschen, die sich für die Situation der Geflüchteten interessieren, zeigen Mitgefühl. Aber ich kann nicht für alle sprechen, weil ich nur ausgewählte Menschen hier kenne und bisher noch nicht an anderen Orten war.

Worauf sollte die Aufmerksamkeit der Menschen, der Medien jetzt liegen?

Auf der Situation innerhalb des Camps. Wenn man mit einer Drohne über das Lager fliegt, scheint der Anblick in Ordnung zu sein. Man muss die Situation von innen zeigen, um zu erkennen, wie erschreckend die Lebensbedingungen dort sind.

Was ist das Schönste, was Ihnen hier passiert ist?

Die Freundschaften und die Menschen, die ich getroffen habe, seit ich hier bin.

Wie sind Sie in Kontakt mit den Medical Volunteers International gekommen?

Ich wollte in Camp Moria für medizinische NGOs arbeiten. Jemand vermittelte mir den Kontakt zu Micol, einer der Koordinatorinnen von MVI. Sie interviewte mich und nahm mich dann ins Team auf.

Was halten Sie von ihrer Arbeit?

MVI unterstützt die Menschen hier, indem sie medizinische Hilfe leisten. Die Medical Volunteers begegnen den Menschen hier mit Aufmerksamkeit und auf Augenhöhe, das wird hier wirklich geschätzt.

Was möchten Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben?

Wenn es sich bei den Lesern um ÄrztInnen und medizinisches Fachpersonal handelt, würde ich sagen, dass es mehr SpezialistInnen und fachgerechte Untersuchungsgeräte benötigt. PatientInnen, die hier untersucht werden, werden häufig für weiterführende Diagnose zu einem Spezialisten geschickt. Aber die Menschen hier können sich das nicht leisten. Außerdem ist es derzeit auch nicht einfach das Camp zu verlassen. Daher wäre meine Bitte es zu ermöglichen, dass auch zunehmend Diagnosen von SpezialistInnen im Camp durchgeführt werden können und es keine kostenpflichtigen Untersuchungen in der Stadt benötigt.

Vielen Dank für das Interview!